Rebhuhn
Gemeinsame Verantwortung für Natur, Wild, Hege und Jagd
Rebhuhn
Agenda
1. Beschreibung
2. Verbreitung und Lebensraum
3. Ernährung
4. Verhalten
5. Brut
6. Prädatoren und Lebenserwartung
7. Bestand und Gefährdung
8. Literatur und Quellennachweis
Beschreibung
Das Rebhuhn (Perdix perdix) ist eine Vogelart aus der Ordnung der Hühnervögel (Galliformes) Feldhühner.
Rebhühner bewohnen Steppen- und Heidelandschaften in weiten Teilen Europas und Asiens.
Sie ernähren sich überwiegend von Sämereien, Wildkräutern und Getreidekörnern.
Das Rebhuhn ist wie alle Vertreter der Gattung von gedrungener Gestalt mit kurzen Beinen, kurzem runden Schwanz und kurzen runden Flügeln.
Aus der Ferne wirken Rebhühner eintönig grau, was zu ihrer Tarnung beiträgt.
Aus der Nähe ist der rötliche Kopf, der mit der grauen Färbung des Halses kontrastiert, gut
erkennbar.
Bei aufgerichteten Vögeln ist der dunkle hufeisenförmige Fleck auf dem vorderen Teil des
Bauches gut sichtbar.
Sie besitzen eine ausgeprägte bräunliche Tarnfärbung. Hals und Brust sind grau, Scheitel, Rücken, Flügeldecken, Bürzel und Stoß sind braun gefleckt.
Die Flanken sind unregelmäßig grau-rostfarben gestreift.
Besonders auffällig sind die Wangen und Kehlen, die eine orangefarbenen Zeichnung aufweisen.
Allgemeine Merkmale des Erscheinungsbildes
Kennzeichnend sind der orangebraune Kopf, der hellgraue Vorderkörper und die rotbraune Seitenbänderung.
Der Schwanz ist, mit Ausnahme der mittleren Steuerfedern, lebhaft rostrot.
An der Unterbrustmitte befindet sich ein mehr oder weniger starker, bei Weibchen manchmal fehlender und oft sehr viel kleinerer, dunkelbrauner Fleck in Form eines Hufeisens.[2]
Im Frühjahr und Sommer trägt das Rebhuhn das Prachtkleid, im Herbst und Winter das Schlichtkleid.
Der gerade Schnabel ist gelb und am Ansatz braun oder grau gefärbt. Rebhühner haben eine Körperlänge von etwa 30 Zentimetern, eine Flügellänge von 14,6 bis 16 Zentimetern und eine Schwanzlänge von 7,2 bis 8,5 Zentimetern.
Männchen und Weibchen sind ähnlich groß; letztere sind jedoch etwas schwerer.
Das Körpergewicht reicht bei Männchen von 290 bis 415 Gramm, bei Weibchen von 300 bis 475 Gramm.
Verbreitung und Lebensraum
Das Rebhuhn besiedelt als Standvogel weite Teile Europas und Asiens.
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Britischen Inseln über Mitteleuropa bis in den
Südwesten und Südosten Europas sowie im Osten bis nach Westsibirien, Turkestan,
Pakistan und dem nördlichen Iran.
Es fehlt im größten Teil Skandinaviens und Spaniens und auf vielen Mittelmeerinseln.
Endemische Unterarten finden sich dennoch insbesondere auf der Iberischen Halbinsel und
in Italien.
Das Rebhuhn ist in Nordamerika zu Jagdzwecken eingebürgert worden und besiedelt mittlerweile insbesondere die nördlichen Prärien der USA
und des südlichen Kanadas.
Weiterhin wurde es in Südskandinavien und Neuseeland vom Menschen eingeführt.
Das Rebhuhn lebt hauptsächlich in tieferen Lagen unterhalb von 600 m, es ist aber auch in höheren Lagen der Mittelgebirge und Alpentäler zu finden.
Die ursprünglichen Verbreitungsgebiete waren Steppen, insbesondere Baum- und Strauch-steppen.
Aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit leben Rebhühner als Kulturfolger in Heiden sowie auf Acker-, Grün- und Brachland, Staudenfluren und in reich strukturierten Mischgebieten.
In wärmeren Gebieten mit fruchtbaren Böden werden die größten Bestandsdichten erreicht.
Optimale Lebensräume sind durch wechselnde Mehrfruchtnutzung in der Landwirtschaft mit Hecken, Büschen, Feld- und Wegrainen gekennzeichnet, bieten kleinräumig gegliederte Parzellen und weisen wenig Waldanteil auf.
Ein hoher Anteil an Grenzlinien bietet die notwendige Deckung. In solchen Gebieten kann die Brutpaardichte heute bis zu zehn Paare je 100 Hektar erreichen.[5][6] Zahlreiche Hecken entlang dieser Grenzlinien sorgen für zusätzlichen Schutz.
Stoppelfelder und Brachflächen sind als Ruhe- und Nahrungsplätze sehr beliebt. Deutlich bevorzugt werden Gebiete mit schneearmen Wintern. Optimale Bedingungen bieten Hackfruchtfelder (Kartoffeln, Rüben, Kohl), da unter den großblättrigen Pflanzen ein guter Schutz vor Wetter-unbilden und Luftfeinden gegeben ist.
Die rohen Böden zwischen den Pflanzen erwärmen sich schnell und trocknen schnell ab, so dass Staubbäder und eine schnelle Flucht möglich sind.
Ernährung
Das Rebhuhn ernährt sich überwiegend von Sämereien, Wildkräutern und Getreidekörnern. Es frisst auch grüne Pflanzenteile wie Klee- und Luzerneblätter, Grasspitzen und verschiedene Knöterich- und Wegerich Arten.
Manchmal nimmt es auch Insekten, deren Larven und anderes Kleingetier zu sich. Hin und wieder werden auch reife Früchte und verschiedene Beeren gefressen. Zur Förderung der Verdauung im Magen nimmt es kleine Quarzkörner („Magensteine“) auf.
Der Anteil pflanzlicher Nahrung liegt bei adulten Rebhühnern bei jeweils 30 Prozent an Grünpflanzen-anteilen, Wildkräutern und Getreide (Weizen, Gerste, Hafer und Roggen). Die restlichen 10 Prozent werden durch tierische Nahrung abgedeckt.[5][6]
Vor allem Weibchen nehmen während der Brutzeit vermehrt tierische Nahrung zu sich, meist Ameisen, Käfer, Schmetterlingsraupen und Blattläuse. Der Nahrungsbedarf adulter Rebhühner liegt bei 50 bis 80 Gramm pro Tag. Der Wasserbedarf wird über die Nahrung gedeckt.
Verhalten
Das Rebhuhn ist überwiegend in der Dämmerung und am Tage aktiv. Den größten Teil des Jahres ist es nicht territorial.
Während der Brutzeit beansprucht es ein (jedoch relativ kleines) Streifareal
ohne feste Grenzen, welche sich ständig verschieben.
Das Rebhuhn bleibt in der Regel seinem Brutgebiet sehr standorttreu und verlässt dieses auch im Winter nicht, sofern das Nahrungsangebot und die Deckungsmöglichkeiten dies zulassen.
In sehr strengen Wintern kommt es zur Winterflucht über größere Strecken in südliche oder westliche Richtungen. Phasen der Aktivität und Ruhe wechseln regelmäßig miteinander ab.
Die Zeit, die benötigt wird, den Kropf zu füllen oder dessen Inhalt zu verdauen, setzt diese fest. Am Tag wird der Kropf etwa zwei- bis dreimal gefüllt. Einen wichtigen Bestandteil des Komfortverhaltens stellt regelmäßiges Sand- und Staubbaden dar.
Im Laufe des Jahres wird durch den regelmäßigen Wechsel der sozialen Formen innerartlicher Stress ausgelöst, bis sich die entsprechend passende Sozialform wie Paar, Familie, Kette, Volk gefestigt hat.
Ab Oktober kommen mehrere Ketten von Rebhühnern zusammen und bilden ein Volk von 30 bis 50 Tieren.
Jede Phase tritt auffällig durch heftige Auseinandersetzungen mit Drohen, Jagen und Kämpfen in Erscheinung.
Den wärmeren Teil des Jahres sind Rebhühner entweder Einzelgänger, oder sie halten als einzelnes Paar fest zusammen; in der kälteren Jahreszeit können sie sich zu kleineren und größeren Wintergruppen zusammenfinden.
Während der Brutzeit sind die Paare jeweils vom anderen Partner abhängig, da sie in einem abgesteckten Territorium möglichst Distanz zu anderen Familien halten.
Im Spätsommer und Herbst löst sich insoweit die Territorialität auf, als dass Rebhühner auch kleine Familienverbände mit 5 bis 15 Vögeln bilden, bestehend aus den Altvögeln und den ausgewachsenen Jungvögeln.
In den meisten Verbreitungsgebieten sind diese von Mitte November bis höchstens Februar/März zu beobachten.
Gegen Ende des Winters, sondern sich Paare aus dem Volk ab, um sich erneut zu vereinen oder um sich als Paar neu zu finden.
Der Prozess der Paarbildung wird durch die zunehmende Unverträglichkeit gleichgeschlechtlicher Vögel eingeleitet, deren sich entwickelnde Aggressivität oft in heftigen Kämpfen endet.
In der Drohhaltung richtet sich das Rebhuhn hoch auf, vergrößert seine Kontur und stellt den dunklen Hufeisenfleck auf der Brust zur Schau.
Die Kämpfe setzen sich aus Verfolgungsrennen, Flügelschlägen und Bissen zusammen.
Nur die Verfolgungsrennen haben als Drohgebärde einen ritualisierten Charakter mit
gestrecktem Hals und geschwellter Brust.
Paarbildung und Balz
Erst unmittelbar vor der Eiablage wird allein von der Henne ein adäquater Nistplatz ausgewählt.
Rebhühner sind reine Bodenbrüter, die ihr Nest an einer Deckung bietenden Platz mit ausreichendem Sichtschutz, meist inmitten dichter Vegetation, anlegen.
Die Tarnung wird zudem durch die Färbung des Federkleides unterstützt. Bevorzugt angenommen werden Feldraine, Weg- und Grabenränder, Hecken sowie Gehölz- und Waldränder.
Das Weibchen kleidet die flache Bodenmulde sorgsam mit weichen Pflanzenteilen aus.
Erst nachdem das Gelege vollständig ist, also das letzte Ei gelegt ist, beginnt das Weibchen allein die Eier etwa 24 bis 25 Tage lang zu bebrüten.
Währenddessen verteidigt das Männchen energisch das Brutareal.
Kommt jedoch ein Eindringling dem Nistplatz auf wenige Meter nahe, fliegt das Weibchen heftig auf und verschreckt dadurch oft die auf Eiersuche befindlichen Feinde.
Auch gegen Fleischfresser verteidigt sich das Weibchen selbst.
Da es während der Brut durch das Männchen weder versorgt noch abgelöst wird, verlässt das Weibchen zur Nahrungsaufnahme und zum Koten für kurze Zeit das Gelege, welches es
dann zur Tarnung mit Vegetation abdeckt.[7]
Brut
Das Rebhuhn erreicht die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres.
Zu diesem Zeitpunkt erfolgt in der Regel auch die erste Verpaarung.
Die Paarung der Rebhühner hängt vom Wetter ab und beginnt gewöhnlich im April.
Die Balzzeit findet im Februar und März statt.
Das Rebhuhn führt eine monogame Brutehe.
Diese beschränkt sich in der Regel auf eine Jahresbrut, bei frühem Gelegeverlust ist jedoch ein Nachgelege möglich.
Die Brutzeit findet von Ende April bis Mai am Boden statt.
Die Brutdauer dauert 23 bis 25 Tage. Es werden in der Regel 10 bis 23 Eier
olivbraun pro Gelege ausgebrütet.
In den meisten Verbreitungsgebieten erfolgt die Eiablage von Mitte April bis Juli, vor allem jedoch im Mai. Das Weibchen legt in eintägigen Abständen in der Regel zwischen 10 und 20 Eier, manchmal auch nur 8 oder aber bis zu 24. Die spindelförmigen bis kurzovalen, glatten Eier sind einfarbig (blass-)olivbraun bis bräunlich grau und glänzen manchmal leicht. Sie sind
etwa 3,5 mal 2,7 Zentimeter groß und etwa 13 Gramm schwer.[5][6] siehe Bilder aus den vorgenannten Folien.
Die Legezeit liegt in den meisten Verbreitungsgebieten zwischen Mitte/Ende April und Anfang/Mitte Mai.
Entwicklung der Jungvögel
Der Schlupf aller Küken erfolgt über einen Zeitraum von nur ein bis zwei Tagen; das Schlupfgewicht liegt bei sieben bis acht Gramm.
Als Nestflüchter verlassen sie das Nest gleich nach dem Trockenwerden und Folgen den Altvögeln, die sie führen.
Die Jungvögel ernähren sich bereits vom zweiten Lebenstag an selbständig, in den ersten Lebenswochen fast ausschließlich von Spinnentieren, Insekten und deren Larven, also z. B. von Ameisen, kleinen Käfern, Schmetterlingsraupen, Blattläusen und anderem Kleingetier.
Ab der dritten Lebenswoche nehmen sie zusätzlich auch Pflanzensamen und Getreidekörner
auf und gehen langsam über zu überwiegend pflanzlicher Nahrung, deren Anteil nach etwa zwei Monaten bereits bei 85 Prozent liegt.[5][6]
In den ersten drei Wochen kann kühles Wetter zu einer hohen Verlustrate führen, da die Jungvögel schnell unterkühlen und ermatten, so dass sie anfällig für Krankheiten werden.
Während der Brut und während sie Jungvögel führen, versuchen die Altvögel meist, potenzielle Feinde zu verschrecken oder vom Gelege wegzulocken.
Im Falle des „Verleitens“ täuscht ein Altvogel einen verletzten Flügel durch dessen Hängenlassen vor, so dass dem Angreifer eine leichte Beute angezeigt werden soll.
Der Feind wird darauf aufmerksam und dadurch vom Gelege abgelenkt.
Das Rebhuhn wird im Alter von etwa 13 bis 15 Tagen flugfähig.
Durch Erfahrung lernt es rasch, seine Feinde zu unterscheiden.
Im Alter von etwa fünf Wochen sind die Jungvögel selbständig.
Bis in den Winter bleiben sie im Familienverband und siedeln sich schließlich in der näheren Umgebung an.